April 25.04.2019 CD-Besprechung

Es ist ein klassisches Sandwich-Programm, mit dem sich die jungen Musiker Elisa van Beek und Giorgos Karagiannis auf dieser CD präsentieren: Béla Bartóks zweite Violinsonate schön eingepackt zwischen zwei Klassikern: Mozarts G-Dur Sonate (KV 301) und der ersten Sonate von Brahms. Ein traditionelles Setting, aber eines, das für Kontraste sorgt – und für Abwechslung. Nicht, dass die beiden das nötig hätten, das Zuhören lohnt sich auch so, aber schaden kann es keineswegs, Kontraste beleben ja bekanntlich.

Die zweisätzige Mozart-Sonate überzeugt durch einen packenden, mitunter fast schon an der Grenze zur Übermotiviertheit angesiedelten Zugriff. Jedenfalls agieren van Beek und Karagiannis hier mit einer großartigen Präsenz, spielen stets hellwach am Puls der Musik ohne jedoch über ihr wohlgemeintes Ziel hinauszuschießen. Ihr Mozart-Ton ist ebenso klassisch wie entschlackt, ohne in allzu bekannte Muster zu verfallen.

Auch die Bartók-Sonate überzeugt. Hier hat das Spiel der beiden Musiker nicht weniger Biss. Es findet eine stimmige Balance zwischen musikantischer Leichtigkeit und griffiger Avantgarde. Es ist von geradezu erschütternder Direkt- und Rohheit, stellt aber auch unglaublich differenzierte und zarte Zwischentöne dar. Dieser Bartók gelingt mit packendem Gestus, eine Wucht.

Die Brahms-Sonate ist demgegenüber ein ganz anderes Kaliber. Fast halbstündig, ist sie schon ein dicker Brocken, der hier jedoch erstaunlich kurzweilig wirkt. Die epischen Dimensionen dieses Werkes wirken hier fast schon übersichtlich, trotz romantischem Gestus tragen die Interpreten nicht so dick auf, dass es unnatürlich wirkt. Fazit: ein gelungenes Debüt.

Guido Krawinkel [25.04.2019]